- Offizieller Beitrag
Das Konzept „Achtsamkeit“ gibt es schon lange, beispielsweise in vielen Religionen und Meditationen. Ihren Eingang in die Unternehmenswelt hat die Achtsamkeit aber erst vor einigen Jahren gefunden, nachdem Neurowissenschaftler die positiven Wirkungen von Achtsamkeitsprogrammen anhand von entsprechenden Veränderungen im Gehirn wissenschaftlich nachweisen konnten. Zu den positiven Wirkungen von Achtsamkeit gehören Stressresistenz, erhöhte Konzentration, Klarheit und Steuerung von Emotionen.
Wer mit Achtsamkeit im Führungsalltag agiert, beugt einem Burnout vor, führt seine Mitarbeiter besser und trifft in Ruhe richtige Entscheidungen, bestätigt Angelika von der Assen, Trainerin für ein Google-internes Achtsamkeitsprogramm in der Schweiz. Firmen wie Apple, McKinsey, Procter & Gamble und Ford bieten ihren Führungskräften seit Jahren Achtsamkeitstrainings an – mit großem Erfolg.
Erfahren Sie heute mehr über die Magie der Achtsamkeit und darüber, wie auch Sie sie ganz einfach in Ihren Arbeitsalltag integrieren.
Wann sind Sie „achtsam“?
Achtsamkeit ist eine innere Haltung, in der Sie bewusst das Hier und Jetzt wahrnehmen, und zwar
1. ohne es zu werten – also ohne das Wahrgenommene (z. B. Gedanken, Ärger, Nervosität, Verspannung) in gut/schlecht, positiv/negativ zu unterteilen, sondern es so, wie es ist, zu akzeptieren,
2. ohne es zu hinterfragen („Warum fühle ich das jetzt, warum tauchen diese Gedanken jetzt auf?“), sondern es so, wie es ist, zu akzeptieren,
3. ohne es ändern zu wollen, sondern es so, wie es ist, zu akzeptieren.
Die Gefahr: Wir übersehen mit offenen Augen das Wesentliche
Aufmerksam wahrzunehmen, was jetzt gerade ist, ohne es zu beurteilen: Das klingt erst einmal nach wenig, ist aber das Gegenteil von unserem Arbeitsalltag, so Angelika von der Assen:
„Wir springen von einem Thema zum anderen und praktizieren Multitasking. Ständig führen wir Selbstgespräche, dieses Affen-Geplapper im Kopf. Und meistens geht es hierbei darum, dass Sie sich Gedanken über die Vergangenheit und Sorgen um die Zukunft machen – statt jetzt voll konzentriert zu sein. Dazu kommen Hetze und Termindruck. So kann man mit offenen Augen das Wesentliche übersehen.“
Die Schneekugel-Metapher: Den Schnee sich setzen lassen
Ein sehr treffendes Bild dafür liefern Schneekugeln. Wenn Sie eine Schneekugel schütteln, können Sie das Objekt, das sich darin befindet, nicht sehen. Wenn Sie die Schneekugel jedoch ruhen lassen, fällt der Schnee nach unten, und Sie erkennen, was sich in der Kugel verbirgt.
Das passt zum Arbeitsalltag vieler Führungskräfte: Wir sind mit unserer Aufmerksamkeit bei unzähligen Aktivitäten, vergangenen und anstehenden, wir produzieren also eine Menge Schneeflocken. Und weil wir nicht zur Ruhe kommen, sehen wir nicht klar, worum es eigentlich geht.
Und genau das ändern Sie durch die Achtsamkeitsverfahren. Sie fokussieren Ihren Blick und sehen wieder ganz klar, was ist: Sie nehmen den Markt wahr, sehen die Kollegen, Mitarbeiter und die Kunden, das Unternehmen und seine Chancen. Sie sind in der Lage, Ihren Blick auf die eigentlichen, langfristigen Ziele zu richten.
3 einfache Übungen: So holen Sie mehr Achtsamkeit in Ihren Alltag
1. Sich ganz auf das Gegenüber konzentrieren
Stellen Sie sich vor, dass ein Mitarbeiter eine für ihn herausfordernde Situation mit Ihnen besprechen möchte. Achtsamkeit praktizieren heißt hier ganz einfach: Sie nehmen sich Zeit, um voll präsent und aufmerksam zuzuhören – ohne an etwas anderes zu denken. Sie realisieren, was das, was Sie hören, bei Ihnen auslöst und wie es dem Mitarbeiter damit geht. Diese intensive Wahrnehmung macht ganz andere Lösungen möglich.
2. Den Kopf frei machen für neue Aufgaben
Oder stellen Sie sich vor, wie Sie zu einem Meeting gehen. Jeder kommt aus einem anderen Kontext, hat den Kopf noch voll und ist in Gedanken vielleicht auch schon beim nächsten Termin. Nehmen Sie sich ein paar schweigende Achtsamkeitssekunden, um präsent in dieses Meeting zu gehen. Das klingt nicht spektakulär, macht aber einen großen Unterschied.
3. Der 1-Minute-Check: Wie geht es Ihnen?
Der „Bodyscan“ ist eine Achtsamkeitsübung, die Sie mal eben zwischendurch praktizieren können: Wandern Sie in Gedanken einmal durch Ihren Körper, um festzustellen, wie es Ihnen geht. Wie fühlen Sie sich? Ist Ihr Gesicht angespannt, sind es die Schultern? Schlägt Ihr Herz unruhig? Vielleicht registrieren Sie als Antwort auf diese Frage eine Müdigkeit, die Sie sonst gar nicht wahrgenommen hätten. Dann sagen Sie sich: „Ich muss etwas unternehmen, ich mache zu viel, ich muss besser für mich sorgen.“ Mithilfe des Bodyscans erkennen Sie, wie es Ihnen geht und was Sie brauchen.
Quelle: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG